Gesundheitsamt 2025

Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst

Langfristig den öffentlichen Gesundheitsdienst und die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) des Gesundheitssystems stärken.

Pakt für den ÖGD

Die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle bei der Modernisierung und Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). Im Pakt für den ÖGD wird daher ein besonderer Schwerpunkt auf die technische Stärkung der Gesundheitsämter gelegt.  

Der Bund stellt für den Pakt für den ÖGD insgesamt 4 Mrd. Euro zur Verfügung. Neben umfangreichen Mitteln für den Personalaufbau werden bis 2026 über 800 Mio. Euro für die Digitalisierung im Bereich des Infektionsschutzes und die Weiterentwicklung bestehender Angebote aufgewendet.

Gesundheitsämter in Deutschland

In Deutschland existiert nicht das eine Gesundheitsamt. Die Strukturen des ÖGD sind föderal und vielfältig aufgestellt – gerade hierin liegt eine Stärke, da besser individuell auf regionaler Ebene Maßnahmen umgesetzt werden können. Dies birgt jedoch insbesondere bei der Digitalisierung des ÖGD zusätzliche Herausforderungen. Umso wichtiger ist daher ein stetiger Austausch im Rahmen des Paktes für den ÖGD.

Digitale Dienste

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet in allen Bereichen voran. Elektronische Patientenakte, eRezept, Videosprechstunde mit dem Hausarzt oder Operationsroboter im Krankenhaus – überall werden digitale Dienste umgesetzt, die die Versorgung verbessern und den Austausch zwischen den medizinischen Leistungserbringern vereinfachen.

Mit der Pandemie ist auch in den Gesundheitsämtern die Digitalisierung besonders im Bereich des Infektionsschutzes vorangeschritten. Es wurde aber auch deutlich: wenn digitale Anwendungen nicht die gleiche (technische) Sprache sprechen, dann funktioniert der Informationsaustausch nur mühsam.

Digitales Gesundheitsamt 2025

Unter dem Leitbild „Digitales Gesundheitsamt 2025“ soll auch der ÖGD noch stärker als bisher von digitalen Anwendungen profitieren und somit u.a. den Informationsaustausch zwischen den Gesundheitsämtern, aber auch darüber hinaus, erleichtern.


Standardisierung

Bund und Länder vereinbaren daher Standards zur Sicherstellung einer übergreifenden Kommunikation und Minimierung von Übertragungsfehlern im Melde- und Berichtswesen. Hierfür werden unter anderem zentral nutzbare Plattformen geschaffen, bereitgestellt und deren konsequente Nutzung vorangetrieben.

Austausch

Die Entwicklung der Standards erfolgt praxisnah und in stetigem Austausch insbesondere mit den Ländern, Städten und Kommunen sowie ExpertenInnen aus dem Bereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und mit technischen PartnerInnen.

 

Forschungsprojekte

Auf bisherigem Wissen und Erfahrungen auch aus anderen Branchen aufbauend sollen im Rahmen von Forschungsvorhaben übergreifende Schnittstellen und Systeme untersucht werden, um Lösungen zu definieren und zu schaffen, die an den zentralen Stellen langfristig für eine Arbeitserleichterung sorgen und die Gesundheitsämter zukunftsfähig machen.

Weiterentwicklung

Im Rahmen von Forschungsprojekten werden Standards und Lösungen identifiziert, evaluiert und unter Einbeziehung der AkteurInnen weiterentwickelt. Die Länder wiederum stellen sicher, dass der ÖGD digital zukunftsfähig wird und die gemeinsam festgelegten Standards erfüllt werden.

Reifegradmodell & Forschungsprojekte

Grundlage zur Etablierung von Standards und gemeinsam nutzbarer digitaler Anwendungen ist zunächst die Untersuchung, welche Dinge bisher wie erledigt wurden. Auf dieser Basis soll ein Referenzmodell entwickelt werden, welches den Beteiligten im ÖGD auch bei der Umsetzung individueller Maßnahmen im Bereich Digitalisierung Orientierung und Handlungssicherheit gibt. Hierbei stehen insbesondere die folgenden fünf Kategorien im Mittelpunkt, die für die digitale Reife einer Organisation betrachtet werden:

  • IT-Infrastruktur
  • Hardware
  • Software
  • Informationssicherheit
  • Prozessunterstützung

Vorgehen

Diese Kategorien werden zusammen mit den Ländern, Städten, Kommunen und Expertinnen und Experten erarbeitet, evaluiert und weiterentwickelt.

In jeder Kategorie werden Maßnahmen definiert und beschrieben, im Bereich Informationssicherheit wird unter anderem das Rechte- und Rollenmanagement bei der Nutzung von IT-Anwendungen thematisiert und im Bereich Prozessunterstützung zum Beispiel wie die Automatisierung von Dokumentationen stattfinden kann. Die Erkenntnisse werden in der Praxis weiter evaluiert.

“Bund und Länder haben während der Pandemie zusammen festgestellt, dass es Defizite gab. Wir wollen die Corona-Krise nicht nur irgendwie überstehen. Wir wollen daraus lernen, den Öffentlichen Gesundheitsdienst so aufzustellen, dass er für künftige Pandemien gerüstet ist.“


Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit

Gesundheitsämter in der Pandemie

Die Gesundheitsämter stellen einen zentralen Schlüssel in der Bekämpfung der Pandemie dar. Gleichzeitig sind die Aufgaben und Prozesse, wie die Nachverfolgung von Kontakten, das Erkennen von Infektionsclustern oder die Entlastung personalintensiv und haben während der Pandemie zu einer hohen Arbeitslast geführt. Digitale Anwendungen können hier – das hat die vielfache Einführung solcher Werkzeuge bereits gezeigt - stark unterstützen.

Eine große Herausforderung stellt jedoch der interoperable Datenaustausch dar. Die Nutzung konsequent voranzutreiben und hierbei gleichzeitig einen interoperablen Datenaustausch zwischen digitalen Anwendungen zu ermöglichen ist daher ein Hauptziel im Pakt für den ÖGD.

Dadurch können zum Beispiel Daten vom Labor direkt in das digitale Kontaktmanagementsystem des zuständigen Gesundheitsamtes übertragen werden oder Auswertungen über die etablierten Meldewege an das Robert Koch Institut mit wenig Aufwand übermittelt werden.

Hintergrund zum Pakt für den ÖGD

Die aktuelle Corona-Pandemie hat gezeigt, welch wichtige Rolle der Öffentliche Gesundheitsdienst für uns alle hat, um einen Infektionsausbruch Katastrophe dieses Ausmaßes und ihre Auswirkungen auf alle Bereiche des täglichen Lebens wirksam in den Griff zu bekommen. Die Corona-Krise hat aber auch allen vor Augen geführt, dass eine nachhaltige Verstärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes als eine unverzichtbare Säule des Gesundheitswesens dringend geboten ist.


Weitere Informationen

SORMAS

SORMAS unterstützt in Gesundheitsämtern beim Identifizieren und Monitoren von Kontaktpersonen – und erspart mit der Anbindung des Symptomtagebuchs viele Telefonate.

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Bildungsangebote

Die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf bietet eine große Vielfalt an Schulungen zu SORMAS sowie weitere Aus-, Weiter- und Fortbildungen im ÖGD an.

Akademie Webseite